Fettige Grillhendl, ein Klapperl und zu viel Bier

„Bleib da! Wir brauchen erst einen Platz!“ Mama Schuster zerrte Simmerl und Mitzerl vorbei am Losstand, Autoscooter und Hendlstand. Papa Schuster stapfte zügig voraus Richtung Bierzelt. Es war brütend heiß und er konnte es kaum erwarten von einer kühlen, frischen Maß Bier zu trinken. Außerdem hatte er es mit dem Ehrbacher ausgemacht. Dass seine Frau und Tochter Lieselotte auch auf dem Volksfest sind, das hatte er seiner Frau erst einmal nicht gesagt. „Das sieht sie noch früh genug.“
Endlich im Bierzelt angekommen, blieb Papa Schuster kurz stehen: „Ah! Da sitzt er ja!“ Mama Schuster hatte ihn mit den Kindern im Schlepptau kaum eingeholt, da ging er auch schon schnurstracks weiter. Schützend hob Mama Schuster die Hände und schlängelte sich mit den Kindern vorbei an biertragenden Bedienungen, Volksfestbesuchern, von deren Tellern heißes Brathendl-Fett tropfte. Papa Schuster setzte sich und stieß gleich mit dem Ehrbacher an. Er war so frei und hatte eine Maß auf Vorrat bestellt. „Frau Ehrbacher, wie schön. Sie sind auch da!“ Mama Schuster rollte die Augen. Aber erst, als sie ihren Blick abgewendet hatte und die Ehrbacherin es nicht sehen konnte. „Simmerl, nimm doch Lieselotte mit zur Schiffschaukel. Du bist recht gut beieinander und sie schafft es nicht alleine.“ Mama Schuster wusste nicht, was sie mehr ärgerte. Dass die Ehrbacherin eigentlich sagte, Simmerl ist zu dick, oder, dass sie ihm Lieselotte auf´s Auge drückte. Jedenfalls konnte sie nichts erwidern, denn Papa Schuster schob ihr einen Geldschein hin und sagte: „Geh Frau, hol doch bitte was zu Essen. Du weißt ja am besten, was die Kinder und ich mögen.“
Es dauerte schon seine Zeit, bis Mama den Steckerlfisch für Papa, ein Grillhendl für Simmerl und die Schweinswürstel für Mitzerl beisammen hatte. Und den Kas samt Brezn unter dem Arm eingeklemmt. Die Finger brannten ihr, so heiß war das Zeug und das Wasser vom Sauerkraut rannte ihr schön langsam den Arm hinunter. „Hoffentlich tropft´s nicht auf mein neues Dirndl!“ Gerade als sie das Essen auf den Tisch stellte, kam Simmerl mit einer total verheulten Lieselotte zurück. „Ich kann nix dafür!“ Der Bub grinste über beide Ohren: „Ihr ist schlecht geworden beim Schaukeln und beim Aussteigen war sie so damisch, dass sie zusammengefallen ist. Aber sie blutet nur ein ganz klein wenig am Knie.“ Mama Schuster zog Simmerl beiseite und platzierte ihn am Tisch so, dass er am weitesten von Frau Ehrbacher entfernt saß. Gerade als sich Mama Schuster etwas vom Steckerlfisch in den Mund stecken wollte, bevor Papa alles aufaß, winselte Mitzerl: „Mama! Ich muss aufs Klo!“
Also stand sie auf und reihte sich in die nächste Schlange ein. Knapp eine viertel Stunde später verließen sie die Toilette und Mitzerl fragte: „Darf ich Kettenkarussell fahren?“ Mama Schuster erlaubte es, in der Hoffnung dann nicht noch einmal aufstehen zu müssen. Artig standen sie an und als Mitzerl endlich im Karussell saß, begutachtete Mama Schuster ihre Dirndlschürze. „Prima. Doch ein paar Flecken drauf.“ „Mama! Mein Klapperl!“ Mitzerls Schreie rissen sie zurück auf das Volksfest. Sie hob den Kopf und sah den Klapperl fliegen. „Nein. Ich will mir jetzt nicht selber sagen müssen, dass der Schuh wohl doch eine Nummer zu groß war.“ Als Mitzerl ausgestiegen war, ging sie mit ihr zu den Sträuchern. Siehe da, mittendrin steckte der Schuh. Obwohl sich Mama Schuster mit aller Vorsicht hineinzwängte, zerstörte das Geäst trotzdem ihre geflochtene Frisur.
Zurück am Tisch zupfte ihr Papa ein paar Äste aus den Haaren und flüsterte: „Also das Heu hättest dir schon rauskämen können, bevor wir losgefahren sind.“ Mama Schusters Stirnfalten runzelten sich gefährlich: „Sag mal, wie viel Maß hast´n du jetzt?“ Entsetzt schaute Papa Schuster sie an und rechtfertigte sich: „Du bist gut. Durst habe ich schon lange keinen mehr. Aber was soll ich denn machen? Du bist die ganze Zeit nicht da und mit dem Ehrbacher wird´s auf Dauer auch langweilig.“

© Christel Schuster

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