An Muttertag ist nichts erlaubt!

© Christel Schuster

Mama Schuster gähnte. Sie rieb sich die Augen und starrte ungläubig auf den Wecker: Kurz nach sechs. Mitzerl und Simmerl rüttelten sie: „Guten Morgen Mama! Aufstehen! Wir wünschen dir alles Liebe zum Muttertag. Frühstück ist fertig.“ Mama Schuster lächelte gezwungen und quälte sich aus dem Bett. Eigentlich wollte sie ausschlafen. „Du Mama, keine Angst, wir haben alle Verbote eingehalten“, noch wusste Mama Schuster nicht, was Mitzerl meinte.
Die Kinder führten sie die Stiege hinab und weil sie es so lieb meinten, entschloss sich Mama, vorerst nicht zu fragen, warum es so erbärmlich stank im Gang. „Frisch aufgebrühter Kaffee! Und weil du verboten hast, dass wir die Kaffeemaschine anfassen, haben wir das heiße Wasser durch ein Geschirrtuch laufen lassen. So, wie die Menschen es früher gemacht haben. Das hast du uns einmal erzählt.“ Mama Schuster hatte damals gelogen. Sie hatte den Kindern schlichtweg verbieten wollen, die Kaffeemaschine zu bedienen. Aber nur deswegen, weil sie so teuer gewesen war. Sie rührte im Haferl und versuchte, sich den schwimmenden Kaffeesatz einfach wegzudenken. Herrgott nochmal, was stinkt hier so? Mama Schuster schnaufte in ihrem Morgenmantel.
„Tut uns leid Mama, die Brotscheibe ist zu dick geraten. Aber wir haben die Brotmaschine nicht angefasst“, Simmerl schob ihr eine fünf Zentimeter dicke Brotscheibe, dick bestrichen mit Marmelade, hin. Mama hatte nur deswegen verboten die Brotmaschine zu benutzen, weil sich Papa Schuster nach ein paar halbe Bier einmal in den Finger geschnitten hatte und sie kein Blut sehen konnte. Um abzubeißen, musste Mama Schuster den Mund sperrangelweit aufreißen. Und die Luft anhalten. Mein Gott warum stinkt es so?
„Das Frühstücks-Ei musst du dir denken. Es ist leider in meiner Jackentasche kaputt gegangen“, Simmerl schaute Mitzerl vorwurfsvoll an und sagte: „Eigentlich ist es ja deine Schuld.“ „Nein!“, Mitzerl widersprach: „Du hast mich mit zu viel Schwung über das Gatter gehoben und als ich in den Hühnermist geflogen bin, da hast du mir auch nicht geholfen.“ Jetzt sah Mama, dass an Mitzerls Hose jede Menge Hühnerdreck klebte. Arg verstrichen, sie hatte wohl versucht, das meiste selber wegzukratzen. „Und dass das Ei in der Jacke zerbrochen ist, das wollte ich nicht.“ Mitzerl war nämlich beim Zurückklettern ausgerutscht und direkt in Simmerls Arme gestürzt. „Hätte ich dich nicht aufgefangen, dann könnte Mama jetzt ein Ei essen.“ Simmerl fauchte seine Schwester an: „Ich habe ja gleich gesagt, wir folgen diesmal nicht und öffnen das Gatter.“ Mama Schuster hatte das nämlich verboten. Sie hatte Angst, den Kindern würden die Hühner auskommen. „Naja. Kochen hätten wir es eh nicht können“, Mitzerl schaute Mama an: „Ob es dir roh geschmeckt hätte, das glaube ich kaum.“ Auch der Herd war für die Schuster-Kinder tabu.
„Guten Morgen liebe Frau. Herzlichen Glückwunsch zum Muttertag!“ Papa Schuster betrat die Stube und hielt Mama Schuster einen Buschen Flieder unter die Nase. „Danke“, stammelte Mama. Mitzerl holte eine Vase und Mama stopfte den Flieder hinein. „Dieses Jahr habe ich auf dich gehört und kein Geld für einen Blumenstrauß ausgegeben“, lobte sich Papa selbst. Mama war der Meinung, dass Schnittblumen viel zu teuer waren, gerade an Tagen wie Muttertag oder Valentinstag.
Es dauerte nicht lange und die ersten Käferl krabbelten über den Tisch. Papa hatte anscheinend vom Flieder, der neben dem Misthaufen wuchs, ein paar Zweige abgerissen. Der intensive Geruch des Flieders vermischte sich mit dem Gestank, der von Mitzerls Hose ausging und als Mama Schuster an das zerdrückte Ei in Simmerls Jacke dachte, wurde ihr schlecht. „Mama? Warum sagst du nichts? Wir haben alle Verbote eingehalten, damit es ein rundherum schöner Muttertag für dich wird.“

© Christel Schuster

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